Journalistische Darstellungsformen im Radio, Teil 2

Moderation, Interviews, Umfrage

Nachrichten sind streng nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide aufgebaut – das wichtigste zuerst in einem gewichtigen Leadsatz, dann nach Wichtigkeit annehmend die Informationen präsentieren. Die umgekehrte Pyramide deswegen, weil eine lange Seite oben den wichtigen Leadsatz darstellt und in Richtung Spitze, auf der die umgekehrte Pyramide steht, alles weniger wichtig wird.

Bei Moderationen (und auch Kommentaren) ist es anders herum: Das wichtigste ist am Ende, sozusagen als Quintessenz, oder bei Anmoderationen als „Sprungschanze“ zum Bericht, der danach folgt. Der Zielsatz folgt am Ende, ebenso wie bei einzelnen Sätzen das wichtigste am Ende steht: Damit hat der Hörer sich Zeit, auf das Thema und auf die unwillkürliche Betonung und Hervorhebung am Schluss einzustellen – auf das Wichtigste der Aussage.

Die Aufgaben eines Moderator:

– die Sendung strukturieren
– neugierig machen, unterhalten
– Brücken bauen zwischen Hörer und Programm

Wie macht er das:

– Anfangsmoderation / Opener: Begrüßung, Überblick über Art und Aufbau der Sendung bzw. des Sendungsteils.
– Zwischenmoderation / Break: Übergänge zwischen den einzelnen Programm- punkten gestalten (Musik, Beitrag, Interview, Nachrichten)

Moderatoren geben ihre Persönlichkeit in die Sendung, prägen durch ihre Präsenta- tion den Stil der Sendung.

Praktische Hinweise für Moderatoren:

– Moderatoren müssen vorbereitet sein, sie haben sich informiert über die Themen der Sendung, deren Inhalte.

– Texte vorformulieren, dann aber am besten nicht ablesen, sondern frei sprechen – vortragen, wie man es dem besten Freund erzählen würde.
– dies vorher laut üben
– besser kurze, klare als lange Schachtelsätze.

– immer daran denken: versteht der Hörer, was ich sagen will?
– in jedes Musikstück, jeden Beitrag, jeden O-Ton vorher hineinhören

– Sendelaufpläne vorher durchgehen und alles bereitlegen, was im Sendeverlauf benötigt wird

– Absprachen mit Redakteur und Techniker treffen

 

Interviews

…macht der Moderator live in der Sendung, der Reporter und der Autor eines Beitrags vor Ort.

Interviews werden entweder zur Person oder zur Sache geführt oder sind eine Mischform.

Bei Recherche-Interviews geht es darum, Informationen für einen Bericht oder eine Meldung zu gewinnen. Dieses Recherche-Interviews sind nicht dafür gedacht, gesendet zu werden. Bei gebauten Beiträgen ist es so, dass Interviews gemacht werden, ein Teil der Antworten dann ausgewählt und als O-Ton in den Bericht eingebaut werden.

Sollen Interviews gesendet werden, müssen sie entsprechend gründlich vorbereitet werden; außerdem gibt es eine An- und meist auch eine Abmoderation. Bei län- geren Interviews, die dann oft eher den Charakter von Gesprächen haben, gibt es auch Zwischenmoderationen, damit die Hörer wieder ins Gedächtnis gerufen bekommen, mit wem der Moderator zu welchem Thema spricht.

Bei den Fragen vor allem bei Live-Interviews gilt: Eher kurz und eindeutig als langat- mig, ausschweifend und zu viele Punkte betreffend. Der Fragesteller sollte wissen, welche Aspekte wichtig sind, welche nicht. Er sollte sich seine Fragen vorher überlegt haben, aber sie nicht einfach abhaken, sondern auch auf Antworten reagieren und nachfragen.

Bei vielen aktuellen Radioformate ist eine „Dreier-Kombination“ an Fragen üblich, eventuell mit kurzem Nachhaken. Diese drei Fragen sollte der Moderator dann vorher wissen. Vor dem Live-Interview (bei dem oft Gesprächspartner von außen zugeschaltet werden) werden Vorgespräche geführt. Dabei sollte der Moderator dem Gesprächspartner NIE die Fragen vorher mitteilen, sondern nur das Thema umreißen. Dabei geht es ja um ein Thema, bei dem der Gesprächspartner Fach- mann ist (sonst hätte man ihn nicht zum Interview gebeten). Er braucht also keine Angst zu haben, die Antworten nicht zu wissen. Wenn wir die Fragen ihm vorher mitteilen, wird es oft so sein, dass er sich die Antworten vorformuliert. Das klingt sehr gestelzt. Besser ist es, die Antworten werden frei und spontan formuliert, nach- dem die Frage gestellt wird.

Etwas anderes ist es, wenn der Moderator mit einem Reporterkollegen spricht. Der Reporter hat die Fakten erst recherchiert und ist geübt in der Präsentation. Standard-Fragen bei aktuellen Ereignissen, zum Beispiel Unfällen, an den Außenre- porter sind: Wie sieht es jetzt dort aus? Wie ist es dazu gekomme? Wie geht es weiter?

 

Eine Sonderform des Interviews ist die Umfrage. Sie ist ein besonders radiophones Genre, weil dort nicht nur die Aussage, sondern auch die Stimme und die Stimmung herüberkommt.

Üblicherweise ist es so, dass eine (Straßen-)Umfrage als Einstieg in ein Thema genommen wird, über dass dann im Studio diskutiert wird. Oder eine Umfrage dient als Einstieg in einen gebauten Beitrag. Manchmal können die Umfragen auch alleine stehen, vor allem dann, wenn sie eine regelmäßige Rubrik in einer Sendung bedie- nen. Auf jeden Fall werden sie aber moderiert, können auch als Vorlage für eine Moderationsmeldung dienen.

Einige Tipps zur Umfrage:

– auf ein knappes Thema/eine Fragestellung beschränken
– eine immer wiederholte Frage an mehrere Menschen
– Umfragen sind Stimmungs- und/oder Meinungsbild, keine statistische Erhebung – beim Schneiden werden Antworten bzw. Teile der Antworten ausgewählt und in eine neue Reihenfolge gebracht

– offene Frage(n) stellen
– Frage(n) immer gleich formulieren, aber so präsentieren, dass der Gesprächspart- ner sie als ihm persönlich gestellt wahrnimmt
– dem Angesprochenen Zeit zum Nachdenken und zum Antworten lassen
– Redefluss nicht unterbrechen, eventuell kurz nachhaken
– den eigenen Redefluss aber sofort stoppen, wenn der Angesprochene anfängt zu reden, auch ansonsten eigene Kommentare meiden
– auf gleichmäßige Hintergrundgeräusche achten
– keine eigenen Geräusche machen
– falls doch Geräusche aufgenommen worden sind, sie noch mal solo ohne Antworten aufzeichen (lässt sich nachher besser zusammenschneiden)

 

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