Die Sprache in den Radionachrichten

Die Sprache in den Radionachrichten

…soll einfach und treffend sein. Kurze, klar aufgebaute Sätze (Subjekt, Prädikat, Ob- jekt) erleichtern das Hörverständnis. Schlecht sind gehäufter Passiv, Substan- tivierungen, Partizipial-Konstruktionen, Verlautbarungs-Stil, Insider-Jargon, (ungeklärte) Fachbegriffe.

Weil Radiojournalisten fürs Hören und nicht fürs Lesen schreiben, ist die beste Er- folgskontrolle für gut formulierte Nachrichten natürlich das Hören. Also: Beim For- mulieren laut sich selbst vorlesen. Umständliche Ausdrücke und Satzkonstruktionen fallen dabei meist auf. Außerdem wird klar, an welchen Stellen im Text Pausen und Betonungen gemacht werden.

Abkürzungen sind nur sinnvoll, wenn sie gebräuchlich sind („CDU“ und „SPD“, aber nicht „BfV“, sondern „der Bundesverfassungsschutz“ oder „der deutsche Ver- fassungsschutz“, nicht „VN“, sondern „die Vereinten Nationen“.)

Zu viele Zahlen verwirren nur – in einer Meldung sollten nicht mehr als zwei, höch- sten drei stehen. Zur Einordnung der Zahlen bzw. der Information können relative Zahlen eine Entwicklung verdeutlichen („2013 sind in Deutschland 400 Menschen bei Verkehrsunfällen getötet worden, ein Viertel weniger als im Jahr davor.“)

Zeitangaben wie „heute“ und „gestern“ verwirren, wenn sie oft verwendet werden. Aktualität kann aber durch ein „zur Stunde verhandelt…“ gekennzeichnet werden.

Die Quellen unserer Informationen zu nennen, ist nur sinnvoll, wenn sie zur Beurteilung der Nachricht für den Hörer wichtig sind. Ansonsten muss der Hörer (zurecht) davon ausgehen, dass wir als Radiomacher die Nachrichten gründlich recherchiert und geprüft haben bzw. uns auf seriöse Agenturen und Korresponden- ten verlassen. Das noch zu erwähnen, in dem wir die Quelle nennen, ist überflüssig und verwirrt nur beim Verstehen der Meldung – zu viele Einzelheiten verstellen den Blick auf den Kern der Information. Ausnahmen: Die Themen sind umstritten bzw sind Meinungsäußerungen. Oder die Fakten und unsere Recherchen sind doch nicht so klar. Dann müssen wir aber überlegen, warum wir die Meldung überhaupt senden wollen. Oder ob wir nicht noch gründlicher recherchieren (lassen). (Beispiel: „Der ehemalige Formel-Eins-Weltmeister Michael Schumacher ist bei einem Skiun- fall in den französischen Alpen schwer verletzt worden. Das berichtet ein Fer- nsehsender aus Genf.“)

Verben der verbalen Äußerung ziehen den Konjunktiv nach sich: „Der Fraktionschef der X-Partei sagte, er trete zurück.“ Verwenden wir den „irrealen Konjunktiv“ und sagen „…er würde zurücktreten“, bedeutet dies etwas anderes: Dass bestimmte Vo- raussetzungen vorhanden sein müssten, zum Beispiel, wenn er der Bestechlichkeit überführt würde. Oder wenn die Partei einen Nachfolger gefunden hat.

Aufbau von Radionachrichten

Meldungen beginnen mit einem Leadsatz. Da gehörte das Wichtigste hinein, ohne ihn aber zu überfrachten. Schritt für Schritt werden danach die ergänzenden Infor- mationen vermittelt. Ein kleiner Trick: Als Autor stelle ich mir vor, dass der Hörer zwischendurch immer eine kurze Fragen stellt. Zum Beispiel: Wo ist das passiert? Wann? Wie kam es dazu? Welche Folgen hat das? Was bedeutet das für mich?

Dabei sollten nicht zu viele Aussagen in einen Satz gepackt werden, Besser ist es, dem Zuhörer ein wenig Zeit zum Verstehen und zum Konzentrieren zu geben – und ihm dann Details vermitteln. (Nicht: „Auf dem Parteitag der X-Partei in Großstadt ist Lieschen Müller mit 99,9 Prozent der Stimmen als Vorsitzende bestätigt worden.“ Sondern: „Auf dem Parteitag der X-Partei in Großstadt ist Lieschen Müller als Bun- desvorsitzende bestätigt worden. Sie erhielt 99,9 Prozent der Stimmen.“)

Die Sätze sollen den Zuhörer nicht mit Informationen „überfallen“, sondern so gegliedert sein, dass sie ihn vom Bekannten zum Neuen hinführen. Der Sinnkern steht am Ende des Satzes. (Nicht: „43 Tote gab es beim Einsturz eines Einkaufszen- trum in der lettischen Hauptstadt Riga.“ Sondern: „In der lettischen Hauptstadt Riga sind beim Einsturz eines Einkaufszentrums 43 Menschen ums Leben gekommen.“)

Lesetipp: Wolf Schneider: Deutsch für Profis.

=================================================================================

Anzeige

Add a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*