Journalistische Darstellungsformen / 2

Der Bericht

…ist die verlängerte Variante einer Nachricht zu einem Thema. Kürzere, sehr nachrichtenähnliche Berichte werden vom Autoren präsentiert (was in den verschie- denen Funkhäusern dann zum Beispiel mit Begriffen bezeichnet wird wie: „Auf- sager“, „Nachrichtenminute“ oder „NaMi“, „Fakte“, „BoE“ oder „Beitrag ohne Ein- spieler“, „BoO“ oder „Beitrag ohne Originalton“). Wenn es länger als eine Minute oder 90 Sekunden wird, sind dann „Beiträge mit Einspielern/O-Tönen“ üblich: Dann kommen Interviewpartner zu Wort, die helfen, den Sachverhalt einzuordnen.
Ein Beispiel für die praktische Umsetzung von Meldung und Bericht: Ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem in den Nachrichten zur vollen Stunde eine kurze Meldung die Basisinformationen mit der Beantwortung der sechs W-Fragen vermittelt, im anschließenden Magazinteil wird später dann ein Bericht gesendet. Gut möglich ist auch, dass in diesem Fall eine Live-Schalte mit dem Reporter vor Ort oder mit einem Polizeipressesprecher gemacht wird. Bei solchen Ereignissen wie dem be- sagten schweren Verkehrsunfall (mit möglicher überregionaler Bedeutung) gibt es in der ARD das Prinzip des „Sammel-Angebotes“: Es wird ein kurzer Aufsager (30 bis 45 Sekunden) und ein längerer BmE (etwa 2:30, kann auch kürzer sein) produziert, jeweils mit Anmoderation und in das ARD-Verteilsystem eingestellt. Alle ARD- Redaktionen (und auch noch der DLF und andere deutschsprachige Sender) kön- nen darauf zugreifen und nach den jeweiligen Bedürfnissen gewichten und einset- zen, als Aufsager, als BmE oder auch nur die O-Töne aus dem BmE herausschnei- den, um sie in selbstformulierte Nachrichtenblöcke einzubauen.
Möglich sind auch „live“-Sammel. Dabei wird der Reporter, der z.B. vor Ort an einer Unfallstelle steht, von einem halben Dutzend (oder noch mehr) Moderatoren aus genauso vielen Sendern auf die Sekunde genau anmoderiert. Der Reporter macht dann einen „Durchmarsch“, redet also ohne Kontakt zu Moderator, hat vielleicht noch einen Interviewpartner neben sich stehe, den er einbindet.
Bei solchen „Reporter-Schalten“ von aktuellen Ereignissen wird klar, dass die Grenze vom eher sachlichen Bericht (als Bruder der „trockenen“ Nachricht) zur mit per- sönlichen Eindrücken versehenen Reportage fliessend sind. Und sie sind auch gewollt: Der Reporter ist ja vor Ort, um nicht nur die Basis-W-Fragen zu recher- chieren, sondern auch Details und Einzelheiten; er soll Gefühle, Gespräche und Schilderungen von Zeugen und Beteiligten eines Geschehens mitbekommen, soll „sehen“, „hören“, „schmecken“, „riechen“ und „fühlen“.
Und damit sind wir bei der…

 

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