Journalistische Darstellungsformen /4

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Feature

Das Feature ist ein Verwandter der Reportage, allerdings mehr eine am Schreibtisch bzw. am Schnittplatz entstandene Zusammenstellung von Stilelementen und Blöck- en, die ähnlich wie eine Reportage sein können, aber auch Interviews, O-Töne, At-mos von ganz anderen Aufnahmeorten und auch Archivmaterial enthalten können. Der Autor wird sicherlich bei den meisten Features tatsächlich auch vor Ort gewesen sein, muss es aber nicht zwingend bei allen verwendeten Elementen. Feature können neben reportagehaften Elemente auch eher sachliche Abschnitte haben, aber auch meinungsstarke, kommentierende. Aufgabe ist es, ein Thema so zu „fea- turen“, dass im Idealfall hintergründige und offensichtliche Aspekte und verschiedenen Sichtweisen deutlich werden bzw. verdeutlicht werden.

Bei einem Feature kann man nach den ersten Aufnahmen vor Ort noch Aufnahmen nachholen und ergänzen, bei Reportagen, vor allem natürlich Live-Reportagen, geht das nicht (so gut). Reportagen müssen also weitaus durchdachter vorbereitet werden bzw. strikter an einem rotem Faden entlangführen, mit dem vor Ort auch eine Umsetzung möglich ist. Feature können an mehreren Orten und in mehreren gesellschaftlichen Zusammenhängen „spielen“, bei Reportage wären es eher getrennte Beiträge mit jeweils eigenen roten Fäden. Allerdings ist der Begriff Feature in den Redaktionen sehr unterschiedlich definiert; die Abgrenzungen sind sehr schwammig und durch- lässig. Meist sind Feature eher länger als 15 Minuten, meist 30 Minuten bis eine Stunde lang. Aber auch das wird von den Redaktionen unterschiedlich definiert.

Hier eine Definition von Klemm, die davon ausgeht, was ein Feature leisten soll: „Sinnvoll ist es, das Feature funktional zu definieren: Feature ist ein Sammelbegriff für Verfahren, mit denen ein komplexes, abstraktes oder trockenes Thema durch sprachliche Effekte belebt und den Lesern nähergebracht werden kann (…). Hier ist der Journalist nicht nur als zuverlässiger Informant (wie beim Bericht) oder aufmerksamer Augenzeuge (wie bei der Reportage), sondern als geschickter Vermittler gefragt. Er soll schwierige Themen popularisieren (bis hin zum „Infotainment“), das heißt: erklären, interpretieren und zum Weiterdenken anregen. Die Maximen eines Features sind Anschaulichkeit, Bildhaftigkeit, Originalität des Zugangs, Facettenreichtum und Informativität: Es geht um die umfassende Bearbeitung eines Themas aus mehreren Perspektiven.“

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